Petition addressed to:
Bezirksamt Berlin Treptow-Köpenick / Abgeordnetenhaus Berlin
Der Amazonas brennt und in Berlin Adlershof soll Wald vernichtet werden?
Wie können 50.000 EUR "Walderhaltungsabgabe" die geplante Abholzung von ca. 700 Bäumen wieder gut machen? Gar nicht!
"Baurecht vor Baumschutz"? Das ist nicht mehr zeitgemäß!
Sehr geehrte Abgeordnete, Fachleute, Betroffene und Interessierte,
In Berlin Adlershof & Johannisthal sollen hunderte neue Wohnungen entstehen. Das finden wir sehr gut!
Inakzeptabel finden wir, dass dafür ca. 13.000 m2 Wald mit ca. 700 gesunden Bäumen (Kiefern und einigen Laubbäumen) vernichtet werden soll. Wie kann man das in Zeiten sterbender Bäume und nicht mehr anwachsender neuer Bäume verantworten?
Warum baut man nicht in der Umgebung, wo es eine Menge unbebauter Flächen ohne einen einzigen Baum gibt?
Konkret geht es um das Bauvorhaben zwischen Herrmann-Dorner-Allee und Karl-Ziegler-Straße. Der zugehörige Bebauungsplan XV-55a-1-2 bezieht sich auf eine Fläche von 27.100 m2. Auf ca. der Hälfte davon kann aus unserer Sicht gerne gebaut werden. Aber der Wald soll stehen bleiben!
Bis spätestens 22. November 2019 sind Einsprüche möglich, laut Verordnung über die Festsetzung des Bebauungsplans XV-55a-1-2 der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen vom 23.11.2018. Diese letzte Chance wollen wir nutzen, auch wenn wir vielfach gehört haben, dass es nicht leicht wird!
Bitte unterstützen Sie uns dabei nach Kräften, denn es gibt viele gute Gründe, das Vorhaben in der geplanten Form zu stoppen …
Unser Kiefernwald Adlershof steht exemplarisch für viele Beispiele, wo Bäume und Wald in Berlin (und anderswo) vernichtet werden!
Reason
Der Amazonas brennt, die Waldzerstörung schreitet voran – und Berlin ist nicht besser
Auch in Berlin werden von Menschhand zigtausende Bäume vernichtet oder gehen ein, obwohl man anders agieren könnte. Ob auf einer möglichen Baufläche Bäume oder gar ein Wald steht, scheint für die Beteiligten und das geltende Baurecht eine untergeordnete Rolle zu spielen.
Der WWF berichtet 2018: Die Waldzerstörung schreitet voran - 2,4 Millionen Quadratkilometer globaler Waldverlust seit 1990 (Quelle: https://www.wwf.de/2018/maerz/schwindende-waelder/)..)
„In allen [Berliner] Bezirken wurden 2018 mehr Bäume gefällt als gepflanzt.“
In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Dürre-Phasen zur Regel werden. Viele Neuangepflanzte Bäume entwickeln sich nur sehr langsam oder sterben wieder ab.
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/kampf-gegen-duerre-und-faellungen-gruene-wollen-berliner-baeume-retten/24284422.html
„Im Landschaftspark Johannisthal sind [allein 2017] über 500 Bäume verdurstet, sie werden nicht nachgepflanzt. Das liegt an der Dürre – und an den Bodenverhältnissen.“
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/treptow-koepenick-gruenflaechenamt-kapituliert-vor-duerre-in-berlin/22782934.html
Wer den Landschaftspark Johannistal kennt, der weiß, dass es eh nicht sehr viele Bäume dort gibt. Jeder Verlust ist schmerzhaft für die dort lebenden Tiere, die Umwelt und die Nutzer des Parks.
„Berlin bald so heiß wie Australien“
Der Ausblick ist leider nicht gut, es wird erwartet, dass es in den nächsten Jahren noch heißer wird. Wann fangen wir an uns darauf vorzubereiten?
Quelle: https://www.zdf.de/nachrichten/heute/studie-zum-klimawandel-berlin-bald-so-heiss-wie-australien-100.html
Die Annahmen aus der Begründung zum Bebauungsplan XV-55a-1-2 muss man aus heutiger Sicht in Frage stellen.
In der Begründung und den Anlagen zum Bebauungsplan XV-55a-1-2 waren die beteiligten Akteure davon ausgegangen, dass …
… mit dem Landschaftspark Johannistal schon hinreichend für Ausgleich gesorgt wurde (zum Zustand des Parks siehe oben),
… der Verlust von Bäumen und Wald ausgeglichen werden kann (mit 50.000 EUR „Walderhaltungabgabe“, wo nicht klar und gesichert ist, wann, wo und wie diese ausgegeben wird),
… die im Kiefernwald lebenden Brutvögel im Landschaftspark eine „hochwertige Brutvogelfauna“ finden,
… andere Flächen in der Umgebung nicht für den Wohnungsbau zur Verfügung stehen, weil sie als Gewerbeflächen benötigt werden. - Zum Leerstand von Gewerbeflächen siehe hier: https://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/warum-lassen-senat-und-bezirke-so-viele-gebaeude-leer-stehen
… 570 Wohnungen entstehen ("450 Wohnungen sowie 120 Mikroappartements) – die HOWOGE bewirbt das Vorhaben inzwischen mit rund 622 Mitwohnungen, siehe hier: https://www.howoge.de/wohnungsbau/neubauprojekte/hermann-dorner-allee.html
Mit dem Waldfachlichen Gutachten von 2015 wurde der Waldstatus für den Wald an der Hermann-Dorner-Allee festgestellt. Leider wurde nur ein Teil der Bäume berücksichtigt, auf Basis von Luftbildaufnahmen von 2014 (siehe Seite 7 in folgendem Dokument). So wurden statt 13.000 m2 Fläche nur 3.700 m2 berücksichtigt. Das war dann die Basis für die Berechnung der so genannten Walderhaltungsabgabe in Höhe von ca. 43.000 EUR:
https://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/b-planverfahren/de/oeffauslegung/xv-55a-1-2/download/Waldfachliches-Gutachten-XV-55a-1-2.pdf
https://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/b-planverfahren/de/oeffauslegung/xv-55a-1-2/download/Anlage1-Tabelle-Waldbewertung+Kompensation.pdf
Die Bürgerinitiative Kiefernwald Adlershof hat in einer groß angelegten Aktion die Bäume gezählt: Ca. 700 an der Zahl. Bei einer Kompensationssumme von 50.000 EUR ergibt das 71 EUR pro Baum. Kann man dafür einen gut gewachsenen jungen Baum erwerben, anpflanzen, über Jahre gießen und pflegen sowie bei Bedarf noch einmal neu anpflanzen? Sicher nicht!
Schaut Euch gerne die Situation aus der Luft an:
In der Mitte dieser 3D Luftaufnahme auf Google-Maps ist unser Kiefernwald Adlershof. Er ist deutlich erkennbar als der größte zusammenhänge Wald am Rande des Landschaftsparks, größer als alle Baum-Ansammlungen im gesamten Landschaftspark Johannistal (die links funktionieren leider nur auf dem Desktop-PC richtig, nicht auf dem Smartphone):
https://www.google.de/maps/@52.4351808,13.5292672,149a,35y,276.97h,70.43t/data=!3m1!1e3
https://www.google.de/maps/@52.4455198,13.5251113,1386a,35y,180h,39.11t/data=!3m1!1e3
Beim Architektur-Wettbewerb 2016 hat nur 1 von 8 Entwürfen die Erhaltung des Waldes vorgesehen - leider erfolglos.
https://www.howoge.de/wohnungsbau/expertise-bau/wettbewerbe/wohnen-am-campus-ii/aufgabe-wettbewerbsverfahren.html
Dokumente zum Bebauungsplan XV-55a-1-2 von 2017:
https://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/b-planverfahren/de/oeffauslegung/xv-55a-1-2/
Mehr auf der Webseite der Bürgerinitiative Kiefernwald Adlershof:
https://www.kiefernwald-adlershof.de/