Sehr geehrtes Verhandlerteam, geschätzter Herr Präsident!
Mit großer Spannung habe ich, und ich denke alle angestellten Ärzte in Niederösterreich, das Ergebnis der Verhandlungen zur Gehaltsreform erwartet.
Auch die Presseaussendung der NÖÄK ließ Großes erwarten und erhoffen, doch das Ergebnis ist aus meiner Sicht mehr als ernüchternd.
Es ist mir durchaus bewußt, daß es bei einem Kollektiv von knapp 4000 betroffenen Ärztinnen und Ärzten immer ein paar geben wird, die meinen zu kurz zu kommen. Doch denke ich, daß das vorrangige Ziel einer zukunftsorientierten und bedürfnisadaptierten Gehaltsreform darin bestehen sollte, das Arbeitsland NÖ für junge Kolleginnen und Kollegen attraktiv zu gestalten. Für Kolleginnen und Kollegen, die bereit sind, den langen und steinigen Weg einer Ausbildung zu gehen, sich am Arbeitsort familiär niederzulassen und eine Zukunft zu planen.
Und in diesem Punkt haben Sie, so denke ich, um Lichtjahre am Ziel vorbeigeschossen, ich bezweifle sogar, daß überhaupt gezielt wurde.
Es ist mir unerklärlich, wie man einen jungen Ausbildungsarzt für € 20,64 brutto pro Stunde dazu bewegen möchte, sich unser Bundesland auszuwählen. Und das Argument, daß die Bezahlung in den anderen Bundesländern möglicherweise noch schlechter sei, ist kein Argument sondern eine Beleidigung für den jungen Kollegen. Zudem kann ich es überhaupt nicht nachvollziehen, warum die ersten 8 Jahre eines Oberarztes, und ich bin nun so frei, die Bruttoerhöhung von € 50,- der Gehaltsstufe 4 eher als Verhöhnung zu betrachten, komplett ignoriert wurden. Auch die Tatsache, daß ein Allgemeinmediziner in öffentlicher Anstellung mehr verdient als ein Ausbildungsassistent läßt mich an der Zukunftsorientiertheit dieser Novelle zweifeln, denn mit welchem finanziellen Ansporn soll man sich da noch für eine Ausbildung bewerben um damit die Zukunft der Patientenversorgung zu gewährleisten?
Wohlwollend möchte ich es als Zufall werten, daß keiner aus dem Verhandlerteam in eine dieser 4 "gehaltsneutralen" Gruppen fällt. Aber wenn Sie sich an ihre eigenen ersten Oberarztjahre zurückerinnern wollten, würden Sie feststellen, daß dies die Jahre waren, in denen spätestens eine eigene Familie gegründet wird, ein Haus gebaut oder gekauft, Weichen für die Zukunft, idealerweise bis zur Pension gestellt werden. Die Weichen, die Sie gestellt haben, zeigen definitiv NICHT nach Niederösterreich.
Es soll bitte nicht der Eindruck entstehen, die erfahrenen Kollegen hätten diese Gehaltserhöhung nicht mehr als verdient - das ist unstrittig. Aber wie um Himmels Willen konnten Sie einer Reform zustimmen, in der eine Berufsgruppe, konkret die Gruppe der jungen Oberärzte, derart ungleich behandelt wird? Die Gruppe nämlich, die wirklich die Zukunft der medizinischen Versorgung in Niederösterreich darstellt. Die Gruppe, die es gilt, nach Niederösterreich geholt und dort gehalten zu werden.
Ich für meinen Teil bin maßlos enttäuscht, fühle mich in keinster Weise auch nur annähernd gut vertreten, fühle mich durch Stellungnahmen wie " Sicherung einer soliden Zukunft", "leistungsorientierte, gerechte und faire Gehaltsnovelle" eher verarscht (ich habe lange nach einem feineren Wort gesucht, aber wirklich kein passenderes gefunden) und tue mir sehr schwer, mich als geschätzten Arbeitnehmer in Niederösterreich zu sehen. Und was am meisten weh tut ist die Tatsache, daß ein nicht zu vernachlässigender Teil der mangelnden Wertschätzung aus den eigenen Reihen kommt - nämlich aus ihrem Verhandlerteam, denn sonst hätten Sie diese Novelle NIEMALS akzeptieren dürfen.