Bildung

Bildung darf nicht flüchten! Offener Brief von Wissenschafter*innen an Hochschulen und Universitäten

Petition richtet sich an
Politik und Zivilgesellschaft
507 Unterstützende
100% erreicht 500 für Sammelziel
  1. Gestartet 08.12.2020
  2. Sammlung noch 4 Wochen
  3. Einreichung
  4. Dialog mit Empfänger
  5. Entscheidung
Ich bin einverstanden, dass meine Daten gespeichert werden. Der Petent kann meinen Namen und Ort einsehen und an den Petitionsempfänger weiterleiten. Diese Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.

Bildung darf nicht selber fliehen, wenn es um Flucht geht – so könnte ein Offener Brief von Wissenschaftler*innen österreichischer Hochschulen und Universitäten zusammengefasst werden. Der Offene Brief appelliert an die Verantwortung und Solidarität von Wissenschaft und Bildungspolitik mit geflüchteten Menschen. Auch in Zeiten einer Pandemie, die medial alles überlagere, dürfe die Not vulnerabler Gruppen nicht einfach hingenommen werden im Sinne eines „Rette sich, wer kann“.

Geflüchtete Menschen müssen im Zuge ihrer Flucht Ausbildungen an Schulen, Betrieben oder Hochschulen abbrechen. Sie erhalten in der Folge kaum noch Möglichkeiten, an die bereits erworbenen Kompetenzen anzuknüpfen. Aktuelle Zahlen belegen, dass viele Kinder in „Flüchtlingslagern“ schlicht nicht unterrichtet werden, was Bildungsmöglichkeiten und Übergänge in weiterführende Institutionen erschwert oder sogar verhindert. Diese gegenwärtige Vernachlässigung macht zukünftige prekäre Lebensumstände wahrscheinlicher, die an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Die Wissenschaftler*innen fordern deshalb, dass Kindern, Jugendlichen und deren Familien auch in Flüchtlingslagern ein Zugang zu angemessener und qualitativ hochwertiger Bildung ermöglicht wird. Die Vorenthaltung von Bildungsangeboten bedeutet auch, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene nach potenziell traumatisierenden Erfahrungen sich selbst überlassen werden. Bildungsinstitutionen hätten die Pflicht und die Expertise, durch Begleitung und Betreuung „ein gewisses Maß an Sicherheit, Routine und Unterstützung“ zu bieten. Unterbrochene bzw. abgebrochene (Aus-)Bildungsbiographien bergen dagegen weitreichende Gefahren für die psychische Gesundheit der Betroffenen. Entsprechende Studien hierzu können unter https://beeflip.at/studien-refugee-education/ eingesehen werden.

Die Forderungen an politische Entscheidungsträger*innen:

  • Qualitätsvolle, an Bedürfnisse angepasste institutionelle Bildung sowie lebenslange Lernmöglichkeiten auch für Geflüchtete zu gewährleisten.
  • Dies bedeutet kontinuierliche, sprachsensible, informierte, traumasensible und hochqualitative (Aus-)Bildungsangebote. Dafür muss professionelles pädagogisches Personal (wie Lehrpersonen, Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen) mit relevanten sprachlichen Repertoires und migrationspädagogischen Kompetenzen in die Lage versetzt werden, der gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen.
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Migrations- und/oder Fluchterfahrung unternehmen vielfach große und erstaunlich erfolgreiche Anstrengungen, um die deutsche Sprache zu erlernen. Zur Unterstützung dieser Bemühungen ist ein inklusiver sprachsensibler Fachunterricht und mehrsprachigkeitsdidaktischer Zugang notwendig, der auch die Erstsprachen würdigt. Dies erleichtert den Zugang zur neu zu erwerbenden Sprache.

„Bildung für alle“ darf kein Slogan sein. Die Wahrung von Menschen- und Kinderrechten kommt nicht nur Geflüchteten zugute, sondern ist eine zu schützende Errungenschaft und damit auch Bedingung künftiger europäischer Prosperität. Auf dieser Grundlage muss allen Menschen, die in Europa Schutz suchen, solidarisch, respektvoll, wertschätzend und unter Achtung ihrer Würde begegnet werden.

Begründung

  • Viele geflüchtete Menschen mussten im Zuge ihrer Flucht Ausbildungen abbrechen. Sie erhalten häufig keine ausreichenden Möglichkeiten, an die erworbenen Kompetenzen anzuknüpfen. Zudem belegen aktuelle Zahlen, dass immer noch viele Kinder in „Flüchtlingslagern“ nicht unterrichtet werden (https://unhcrsharedmedia.s3.amazonaws.com/2019/Education-report_30-August_2019/Education+Report+2019-Final-web.pdf), was Bildungsmöglichkeiten nachhaltig erschwert oder verhindert (https://www.unhcr.org/5f4f9a2b4). Diese gegenwärtige Vernachlässigung macht zukünftige prekäre Lebensumstände wahrscheinlicher, die an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Das ist menschenrechtlich und pädagogisch besorgniserregend. Kindern, Jugendlichen und deren Familien, die in diesen Flüchtlingslagern leben, muss ein Zugang zu angemessener und qualitativ hochwertiger Bildung ermöglicht werden.
  • Kinder und Jugendliche erleiden durch Krieg und Verfolgung häufig Traumata, mit denen sie nicht allein gelassen werden dürfen. Fehlende (Aus-)Bildungsangebote bedeuten auch, dass den in Flüchtlingslagern lebenden Kindern bzw. Jugendlichen und deren Familien keine oder nur mangelnde Möglichkeiten zur Begleitung und Beratung ihrer traumatischen Erfahrungen bereitstehen. Bildungsinstitutionen können in dieser instabilen Situation ein gewisses Maß an Sicherheit und Routine sowie weitere Unterstützung bieten. Unterbrochene bzw. abgebrochene Bildungsbiographien bergen daher weitreichende Gefahren für die psychische Gesundheit der Betroffenen.

An wissenschaftlicher Expertise fehlt es nicht. Es ist an der Zeit, die Möglichkeiten zu schaffen, dass diese den in Österreich Schutz suchenden Menschen zugutekommt.

Forderungen an politische Entscheidungsträger*innen:

  • Bildung und Ausbildung sind Grundlage für Teilhabe und Teilnahme an gesellschaftlichen Entwicklungen. Mit der Flucht wird nicht nur das Leben in einem vertrauten Umfeld aufgegeben, es gehen zudem zukünftige Mitgestaltungsmöglichkeiten verloren. Frühes (Wieder-)Eintauchen in qualitätsvolle, an Bedürfnisse angepasste institutionelle Bildung ist für die nachhaltige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen von zentraler Bedeutung und kann Bildungsungleichheiten entgegenwirken. Vor diesem Hintergrund muss das Ziel sein, inklusive und gleichwertige Bildung sowie lebenslange Lernmöglichkeiten für alle zu gewährleisten.
  • Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene müssen Zugang zu institutionalisierter Bildung in Europa erhalten. Dies impliziert kontinuierliche, sprachsensible, informierte, traumasensible und hochqualitative (Aus-)Bildungsangebote. Dafür müssen Möglichkeiten einer gelingenden Neuorientierung unter Voraussetzung der gesellschaftlichen Anerkennung mitgebrachter Qualifikationen berücksichtigt oder entsprechende Angebote einer erneuten Qualifizierung in geeigneter Weise ausgelotet und geschaffen werden. Es ist jedenfalls auch die Involvierung von professionellem pädagogischen Personal mit relevanten sprachlichen Repertoires und migrationspädagogischen Kompetenzen zu gewährleisten. Institutionelle Unterstützung von Lehrer*innen mittels Supervision und Schulsozialarbeit muss ebenfalls gegeben sein.
  • Empirische Studien belegen, dass viele geflüchtete Schüler*innen, trotz gegenteiliger Zuschreibung, das Erlernen und Perfektionieren der deutschen Sprache in den Vordergrund stellen (https://phaidra.univie.ac.at/detail/o:1115870#?q=ZwischenWelten%C3%9CberSetzen&page=1&pagesize=10), um Zugang zu höherer Bildung und in den Arbeitsmarkt zu erhalten. Neben Deutschförderung ermöglicht ein professioneller und wertschätzender Umgang mit migrationsbedingter Mehrsprachigkeit eine umfassende Förderung aller sprachlichen Kenntnisse im Sozialzusammenhang der jeweiligen Klassen. Die Verankerung inklusiven sprachsensiblen Fachunterrichts und mehrsprachigkeitsdidaktischer Grundlagen in der Lehramtsausbildung für alle Unterrichtsfächer ist unabdingbar. Die Lehrenden an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen sollten diese Kompetenzen als Teil ihrer Professionalität verstehen und ausbilden.

Wir sehen es daher nicht nur als Notwendigkeit, sondern auch als enormes Potential für die Zukunft unserer Gesellschaft an, Bildung für alle zu ermöglichen bzw. diese jedenfalls nicht von vornherein für bestimmte Personen zu verunmöglichen. Diese aus Menschen- und Kinderrechten abzuleitende Verpflichtung kommt letztlich nicht nur geflüchteten Personen zugute, sondern kann als Bedingung künftiger europäischer Prosperität angesehen werden.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Verein BeeFLIP aus Wien
Frage an den Initiator

Übersetzen Sie jetzt diese Petition

Neue Sprachversion

Neuigkeiten

Noch kein PRO Argument.

Noch kein CONTRA Argument.

Warum Menschen unterschreiben

  • Sabine Zimmerhäkel Magdeburgerforth

    am 19.02.2021

    Bildung muss ein Recht sein, dass jedem zusteht. Sie ist auch, neben Ethik, eine Voraussetzung, dass Menschen vernünftige Entscheidungen treffen können.

  • Karl-Heinz Zarth Altmannstein

    am 11.02.2021

    Wegen der Logik

  • Ingrid Tragler Pettenbach

    am 08.01.2021

    Gleiche Rechte für alle Menschen!

  • am 29.12.2020

    Alle Menschen sind gleichwertig. Ich bin ein Flüchtling. Mit dieser Petition habe ich Hoffnung von Zukunft mehr noch. Danke schön für Ihre Beitrag an Menschenrechte, das Sie geleistet haben. Ich bedanke mich

  • am 29.12.2020

    Wer, wenn nicht wir?

Werkzeuge für die Verbreitung der Petition.

Sie haben eine eigene Webseite, einen Blog oder ein ganzes Webportal? Werden Sie zum Fürsprecher und Multiplikator für diese Petition. Wir haben die Banner, Widgets und API (Schnittstelle) zum Einbinden auf Ihren Seiten.

Unterschreiben-Widget für die eigene Webseite

API (Schnittstelle)

/petition/online/bildung-darf-nicht-fluechten-offener-brief-von-wissenschafterinnen-an-hochschulen-und-universitaeten/votes
Beschreibung
Anzahl der Unterschriften auf openPetition und gegebenenfalls externen Seiten.
HTTP-Methode
GET
Rückgabeformat
JSON

Helfen Sie mit, Bürgerbeteiligung zu stärken. Wir wollen Ihren Anliegen Gehör verschaffen und dabei weiterhin unabhängig bleiben.

Jetzt fördern

openPetition ist eine freie und gemeinnützige Plattform, auf der Bürger ein gemeinsames Anliegen öffentlich machen, sich organisieren und in den Dialog mit der Politik treten.

openPetition International