11/27/2025, 09:23
Liebe Unterstützende,
Eine Meldepflicht soll für jeden gelten, der beruflich Saatgut oder Pflanzgut produziert und verkauft, so plant es die EU derzeit mit einer Saatgutrechtsreform. Vorgesehen ist außerdem jede Menge neue Bürokratie, zum Beispiel würde man zu Saisonbeginn anmelden müssen, welche Menge Saatgut von welcher Art man produzieren und verkaufen möchte. Und noch vieles mehr. Das würde die meisten der kleinen Betriebe, die Vielfalt erhalten, völlig überfordern. Sie würden ihr Angebot reduzieren, verteuern, und jeder siebte würde schliessen. Das hat eine Umfrage von Arche Noah ergeben.
Auch wenn HobbygärtnerInnen nicht direkt betroffen seien, wie die EU-Kommission oft betont, würden sie dennoch durch die neue Bürokratie indirekt betroffen, weil sie ihr Saatgut in der Regel bei den kleinen Vielfaltsbetrieben kaufen, zum Beispiel auf Saatgutfestivals oder bei Bildungsveranstaltungen.
Für den Ökolandbau konnten seit einigen Jahren Ökosorten zugelassen werden, dadurch hat sich die Ökoüchtung weiter entwickelt. Ihre Sorten sind nicht einheitlich und unveränderlich, sondern vielfältig und anpassungsfähig! Das wird in den Rechtsentwürfen nicht etwa weiter verbessert, sondern als "Ausnahme" behandelt und infragegestellt. Neu gezüchtete Ökosorten nur an Hobbygärtnernde verkaufen zu dürfen, das macht doch keinen Sinn! Das Saatgut von Vielfaltssorten nur in der Ursprungsregion zu produzieren, ist wenn die Herkunft der Sorte überhaupt bekannt ist, im Klimawandel sinnlos.
Die Vereinten Nationen haben schon vor Jahrzehnten die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt als Ernährungsgrundlage für künftige Generationen vereinbart. Die EU-Saatgutrechtsreform wäre ein historischer Rückschlag für die Agrobiodiversität, für die Bemühungen der Weltgemeinschaft zu ihrer Erhaltung, und die Möglichkeiten der Europäischen Union zur Anpassung an die Klimakrise.
Dieser Tage entscheiden die EU-Agrarminister, ein sehr wichtiger Schritt im Gesetzgebungsverfahren.
Arche Noah fordert zusammen mit vielen anderen Organisationen
- Die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der lokal angepassten Kulturpflanzenvielfalt muss in den europäischen Saatgut-Gesetzen oberste Priorität haben.
- Völkerrecht sichern: Ernte, Weitergabe, Tausch und Verkauf von eigenem Saatgut müssen für Bäuer:innen und Gärtner:innen weiterhin legal möglich sein.
- Die Vermarktung von vielfältigen und lokal angepassten Sorten durch regionale Saatgut-Produzent:innen muss erleichtert werden.
- Neu zugelassene Sorten dürfen nicht von Pestiziden oder synthetischen Düngemitteln abhängig sein.
Bitte macht mit und unterschreibt die Petition "Hoch die Gabeln"
mitmachen.arche-noah.at/de/hoch-die-gabeln