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Petition addressed to: NÖ Musikschulbeirat
Sehr geehrte Entscheidungsträger für die Fördermittelvergabe im NÖ Musikschulwesen,
bitte berücksichtigen Sie die folgende Petition bei der Überarbeitung der NÖ Prüfungsordnung - insbesondere, wenn sie tatsächlich zu einem Indikator für die Finanzierung der NÖ Musikschulen werden sollte:
DAS GRAS WÄCHST NICHT SCHNELLER, WENN MAN DARAN ZIEHT
Wir Musikschullehrkräfte sind keine gescheiterten Musiker, wir unterrichten mit größtem Idealismus, mit Hingabe und Begeisterung. Wir gestalten unseren Unterricht mit Sorgfalt und versuchen so individualisierend wie möglich aus jedem unserer Schüler das Beste herauszuholen. Wir identifizieren uns mit unserem Beruf und nehmen durchaus auch viele Einschränkungen in Kauf: das Pendeln zwischen den Standorten, das zur Verfügung stellen von privaten Mitteln, die familienunfreundlichen Arbeitszeiten, die Arbeitsplatzunsicherheit wegen sinkender Schülerzahlen u.v.m.
Wir bauen ein Vertrauensverhältnis zu unseren Schülern auf und können ihre Präsentationsfähigkeiten, aber auch ihre Ängste und Befürchtungen einschätzen. Wir möchten sie zu Höchstleistungen beflügeln, aber nicht schadhaftem Druck aussetzen. Jeder Schüler entwickelt sich individuell, hat vielleicht krisenhafte Phasen zu überwinden, in denen wir ihn unterstützen möchten. Studien belegen, dass viele unserer Kinder und Jugendlichen den Prüfungsdruck der Regelschule als sehr belastend wahrnehmen. Weiters spüren sie, dass die momentane Weltenlage durch Krisen belastet ist und viele fühlen sich durch die verzerrte Wirklichkeit von Social Media unter Druck.
Unser größter Vorteil könnte gleichzeitig zu unserem größten Nachteil werden: Die Musikschule ist eine Freizeitbeschäftigung. Wir brauchen motivierte, engagierte Schüler, die nach einem Schultag bereit sind, noch weiter zu lernen: ihr Musikinstrument. Viele Familien sind bereit, trotz steigender Lebenshaltungskosten eine Ausbildung auf einem Instrument zu finanzieren, denn der Besuch der Musikschule ist zwar freiwillig, aber kostenpflichtig. Dadurch sind auch die Erwartungen an uns ungleich höher als die an die Regelschule. Je größer der Druck von außen auf uns Lehrende einwirkt, desto größer ist auch der Druck, den wir an unsere Schüler weitergeben. Gelungenes Musizieren braucht aber keinen Prüfungsdruck, sondern Begeisterung.
Unsere Instrumental- und Gesangsklassen sind sehr heterogen zusammengesetzt: Mit Schülern vom Kindergarten- oder Volksschulalter bis hin zu Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, mit und ohne Vorbildung, mit perfekten bis hin zu schlechten Voraussetzungen für das jeweilige Instrument, mit Eltern, die sich kürzere oder längere Unterrichtseinheiten leisten können, und die mehr oder weniger Möglichkeiten haben, ihre Kinder beim Lernen und Üben zu unterstützen, sie zur Musikschule zu bringen etc.
Auch unsere Arbeitsbedingungen weisen große Heterogenität auf, die sich auf viele Arten zeigt: In der Größe der Musikschulen oder Verbände, in der (oft schwierigen) Erreichbarkeit der zahlreichen Standorte, in der vorhandenen oder fehlenden Instrumentenvielfalt und Ausstattung, in der Verfügbarkeit verschiedener Unterrichtsformen, von 25 bis zu 50 Minuten oder mehr, von Einzel- über Gruppenunterricht bis zum Angebot an unterschiedlichen Ensembles und anderen Ergänzungsfächern, im Vorhandensein geeigneter Auftrittsgelegenheiten.
AM WACHSENDEN GRAS ZU ZIEHEN, SCHÄDIGT DIE WURZEL
- Wir möchten, dass uns und unseren pädagogischen Konzepten Vertrauen entgegengebracht wird.
- Wir brauchen ein flexibles System, das der Heterogenität unserer Schüler und unserer Arbeitsplätze gerecht wird.
- Wir brauchen unterschiedliche Umgangsweisen für unterschiedliche Voraussetzungen: Schüler, die Gruppenunterricht oder 25-minütige Unterrichtseinheiten bekommen, müssen andere Zielvorgaben haben, als solche, die 50-minütigen Einzelunterricht bekommen.
- Wir möchten Lernschwierigkeiten und Ängsten (Legasthenie, Konzentrationsprobleme, Prüfungs- und Auftrittsangst) mit Unterstützung begegnen, anstatt mit Vorschriften.
- Wir brauchen keine Zwangsmaßnahmen, die einen zusätzlichen schädlichen Druck erzeugen, sondern Motivation und Erfolgserlebnisse für unsere Schüler, egal wie klein die Schritte sein mögen.
- Wir brauchen Gestaltungsspielraum, um alle unsere Schüler optimal begleiten zu können.
- Wir möchten weg von einem starren Prüfungssystem hin zu einem Prozess der kreativen Entfaltung.
Reason
Die derzeitige Prüfungsordnung des Landes NÖ konnte bisher freiwillig von den Musikschulen übernommen werden. Die Mehrheit der Musikschulen wendet sie bereits an, viele Musikschulen haben jedoch immer noch eigene Regelungen für Übertrittsprüfungen in höhere Leistungsstufen.
Sollte die Prüfungsordnung zum Indikator für finanzielle Fördermittel des Landes werden, werden sich die meisten Musikschulen gezwungen sehen, sie zu übernehmen. Der Wunsch nach Bildungsstandards ist zwar nachvollziehbar, jedoch hat sich die bisherige Prüfungsordnung leider nicht allerorts und nicht für alle Schüler bewährt.
Für viele Musikschüler sind die bestehenden Vorgaben nicht nur keine Hürde, sie stellen vielleicht sogar eine Motivation dar. Aber für etliche ist das System problematisch. Dabei scheitert es in vielen Fällen durchaus nicht an der Leistungsfähigkeit oder am Interesse oder Engagement der Schüler, sondern an Rahmenbedingungen wie logistischen oder finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern. Insbesondere in weitläufigen Musikschulverbänden können Kinder nicht immer zu Ensemblestunden oder Musikkundekursen gebracht werden, oft fehlen auch geeignete öffentliche Verkehrsmittel. Viele Familien können sich nur Gruppenunterricht oder 25-minütige Unterrichtseinheiten leisten, die für das Einstudieren der geforderten Prüfungsprogramme niemals ausreichen.
In Musikschulen mit Öffentlichkeitsrecht werden außerordentlichen Schülern, die nicht ins 'Profil' passen, höhere Tarife verrechnet, wenn sie keine Übertrittsprüfungen absolvieren oder nicht an Ergänzungsfächern teilnehmen können. In manchen Musikschulen hat die Übernahme der Prüfungsordnung sogar dazu geführt, dass Schüler sich vom Unterricht abgemeldet haben oder gar hinausgeworfen wurden. Womöglich wurde Kindern und Jugendlichen die Freude an der Musik für ihr ganzes Leben verdorben.
Dabei gäbe es gerade im Einzelunterricht und in der Kunst so viele Möglichkeiten, Lerninhalte nachhaltig zu vermitteln und selbst innerhalb von Leistungsstandards genügend Raum zu schaffen, um alle Schüler optimal individuell fördern zu können, und um Kinder und Jugendliche mit Musik in Verbindung zu bringen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich über ihr Instrument oder ihre Stimme künstlerisch auszudrücken.
Die im vorliegenden Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppelnennung und gegenderte Bezeichnungen wurde zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.
Weiterführende Informationen:
FÄLLT UNS NICHTS BESSERES EIN? Appell zur Prüfungsordnung im Dialog
Stellungnahme zur "Prüfungsordnung Neu" (Musikschulausschuss der Gewerkschaft, 2015)
Petition details
Petition started:
02/17/2026
Collection ends:
09/06/2026
Region:
Lower Austria
Topic:
Education
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Zur positiven Weiterentwicklung und Arbeit an den Nö Musikschulen. Bewertungen und besonders die Beurteilung der Kunst ist von so vielen Faktoren abhängig und sollte eigentlich dem Pädagogen, der ja dafür ausgebildet wurde, überlassen werden! Fremdbeurteilung in Musikschulen kann sehr großen Schaden anrichten!
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Der Kunst ihre Freiheit.