Magnifizenz! Spectabilis! Sehr geehrte Damen und Herren!

Mit Sommersemester 2019 endet das Anstellungsverhältnis von Prof. Noit Banai am Institut für Kunstgeschichte. Prof. Noit Banai hat die ungewidmete §99 Professur in den letzten fünf Jahren in Forschung und Lehre als Professur für zeitgenössische Kunst entwickelt. Mit dem Ende ihres Anstellungsverhältnisses entstehen für die Studierenden dieses Fachbereiches konkrete Probleme und dringende Fragen. Wir sehen daher einen akuten Handlungsbedarf.

Den Studierenden wird die Möglichkeit genommen sich im Bereich der zeitgenössischen Kunst zu spezialisieren. Durch den drohenden Weggang von Prof. Noit Banai sind aber nicht nur jene bedroht, deren laufende Masterarbeiten sie betreut. Vielmehr verliert die Wiener Kunstgeschichte, die bisher dafür stand, die Gattungen und Grenzen der Kunst zu erweitern und Theorie mit Praxis zu verbinden, einen ganzen Fachbereich.

Die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst und ihren Praktiken erfordert ein hohes Maß an Kenntnissen und Sensibilitäten, die den methodischen und inhaltlichen Rahmen der traditionellen Erzählungen der Kunstgeschichte kontinuierlich erweitern. Eine globalisierte (Kunst-)Welt verlangt nach offenen, interdisziplinären, feministischen und dekolonialisierten Diskursen, die sich mit aktuellen Entwicklungen beschäftigen und neue Methoden wissenschaftlicher Analyse einsetzen. Österreich hat hier als Kulturnation mit einer langen Tradition der Wiener Schule der Kunstgeschichte große Verantwortung.

Derzeit verfügt das Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien über keinen eigens gewidmeten Lehrstuhl für das Fach zeitgenössische Kunst. Wenn die Wiener Kunstgeschichte mit den internationalen Veränderungen Schritt halten möchte, ist es unverzichtbar, ein umfassendes Lehrangebot zu bieten. Nur eine unabhängige Professur für Zeitgenössische Kunst kann den höchst aktuellen Entwicklungen in Studium, Lehre und Forschung im internationalen Kontext gerecht werden. Wir halten daher die Einrichtung eines solchen Lehrstuhls für eine absolute Notwendigkeit. Es bietet sich die große Chance, sowohl Studierenden und Lehrenden, als auch zukünftigen Kunsthistoriker/innen, Kurator/innen, Theoretiker/innen, Kritiker/innen, Kunstvermittler/innen und Ausstellungsmacher/innen eine solide Basis für ihr Handeln in einer sich stetig weiterentwickelnden Kunst- und Berufswelt zu geben.

Begründung

Prof. Noit Banai hat in den Jahren ihrer bisherigen Tätigkeit an der Universität Wien zukunftsorientierte Aspekte nicht nur in ihrer Lehre, sondern auch im Umgang mit den Studierenden, in ihrer Vernetzung mit der Wiener und internationalen, insbesondere mittel- und osteuropäischen Kunstszene aufgezeigt und gelebt. Dies verlangt eine Methodik, die über etablierte Ansätze hinausgeht und stattdessen auf zeitgenössischen Theorien basierende Modelle heranzieht. Viele österreichische und internationale Studierende haben dieses Angebot mit Begeisterung angenommen. Die große Anzahl an Masterarbeiten unter Betreuung von Prof. Noit Banai beweist das stetig wachsende Interesse, sich auf diesem Fachgebiet zu spezialisieren. Aufgrund des Auslaufens des bisherigen Anstellungsverhältnisses können aber bereits seit mehreren Monaten keine neuen Arbeiten mehr angenommen werden.

Wir finden es bedauernswert, dass keine Diskussion über derartige Fragen mit den Studierenden stattgefunden hat. Da weder die Chancen einer Professur für zeitgenössische Kunst noch die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Planung in Forschung und Lehre seitens des Instituts gesehen wird, sehen wir den Bedarf, selbst tätig zu werden. Daher fordern wir:

  1. Die Einrichtung einer unbefristeten Professur für zeitgenössische Kunst am Institut für Kunstgeschichte an der Universität Wien.

  2. Die Berufung von Prof. Noit Banai auf diese neue Professur für zeitgenössische Kunst.

  3. Die Gewährleistung der Kontinuität von Forschung und Lehre am Institut für Kunstgeschichte durch die Verlängerung des Vertrages von Prof. Noit Banai bis diese neue Professur eingerichtet und besetzt ist.

Wir danken für Ihre Unterstützung.

Hochachtungsvoll,

Baris Acar, Chrstina Anderle, Blanka Böcskei, Doris Brandecker-Knerer, Stefanie Fridrik, Jacqueline Grassmann, Fanny Hauser, Kathrin Heinrich, Leon Hösl, Asija Ismailovski, Alexandra Freya Issel, Julia Jarrett, Yulia Kopr, Eva Kovač, Miljana Mirović, Larissa Mohr, Ulrike Payerhofer, Marie Perriard, Gregor Pirgie, Laleh Pourkhataee Monsef, Sophie Publig, Charlotte Reuß, Antonio Rosa de Pauli, Martina Schöggl, Hamida Sivac, Magdalena Stöger, Studienvertretung Kunstgeschichte, Malgorzata Suchadola, Diana Thun, Daniel Tischler, Elisabeth Vikydal, Klara Wanner, Vincent Weisl, Michael Wonnerth-Magnusson

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Ulrike Payerhofer aus Wien
Frage an den Initiator

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Neuigkeiten

  • Sehr geehrte/r Unterzeichner*in,

    die Petition „Lehrstuhl für Zeitgenössische Kunst an der Universität Wien" ist am Montag, den 4. Februar ausgelaufen und war mit 1.234 Unterschriften und über 200 persönlichen Kommentaren ein großer Erfolg.

    Wir möchten uns bei allen Beteiligten ganz herzlich für die großartige Unterstützung bedanken!

    Die Petition hat gezeigt, dass es ein Bedürfnis nach einer tieferen Auseinandersetzung mit der Frage nach der Verortung von zeitgenössischer Kunst im Feld der Kunstgeschichte gibt.

    Nach konstruktiven Gesprächen mit Vertretern des Instituts für Kunstgeschichte möchten wir, die Initiator*innen der Petition, festhalten, dass das Vertragsende von Prof. Noit Banai keinem abrupten Ende der Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst am Wiener Institut gleichkommen soll. Mittels einer weiteren befristeten Professur sowie dem Lehrangebot von u.a. Universitätsassistent*innen wird der Fachbereich weitergeführt. Wir begrüßen die Positionierung des Instituts in dieser Hinsicht, weisen aber darauf hin, dass viele Fragen, die durch die Petition angestoßen wurden, dadurch nicht obsolet werden; so kann etwa eine maßgebliche Anzahl an Studierenden weiterhin keine Betreuung der Masterarbeit im Bereich zeitgenössischer Kunst in Anspruch nehmen.

    Um unserem gemeinsamen Anliegen Nachdruck zu verleihen und eine öffentliche Plattform zu bieten, veranstalten wir am 5. März 2019 eine moderierte Podiumsdiskussion, die die Rolle zeitgenössischer Kunst und damit einhergehender Methoden in Lehre und Praxis aus unterschiedlichen Perspektiven thematisieren wird.

    Neben den eingeladenen Vertreter*innen des Instituts und der Studierenden sprechen:
    DR. SABINE HAAG (Generaldirektorin Kunsthistorisches Museum Wien) und
    UNIV.-PROF. EVA MARIA STADLER (Kuratorin, Professorin für Kunst und Wissenstransfer, Universität für angewandte Kunst Wien)
    Moderation: GEORG SCHÖLLHAMMER (Direktor von tranzit.at, Herausgeber des Magazins springerin).

    Wir laden Sie hiermit herzlich ein zur Podiumsdiskussion:

    Contemporary Matters.
    Zeitgenössische Kunst im Kontext von Lehre und Forschung

    Dienstag, 5. März, 18.30 Uhr

    Institut für Kunstgeschichte, Seminarraum 1
    Eingang Garnisongasse 13
    Universitätscampus Hof 9
    1090 Wien

    Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

    Mit freundlichen Grüßen,

    die Initiator*innen der Petition „Lehrstuhl für zeitgenössische Kunst”
    & die Organisator*innen der Podiumsdiskussion „Contemporary Matters”

Pro

Studierende artikulieren einen Bedarf für eine Professur. Sie verbinden diesen Aufruf mit der Forderung, die Position mit jener Person zu besetzen, die bisher provisorisch mit den Agenden betraut war. Der Wunsch nach Kontinuität ist als Zeichen der Würdigung der erbrachten Leistungen zu werten und als Empfehlung zu verstehen. Auch wenn die beiden Elemente der Petition zwei unterschiedliche Forderungen darstellen mögen und man über die Frage des Junktims durchaus geteilter Meinung sein kann, so sind doch beide Ansinnen für sich legitim und geeignet, um Verhandlungen einzuleiten. Ergo pro.

Contra

ich bin ja für die schaffung des Lehrstuhls aber dass dann gleichzeitig festgelegt werden soll wer den denn zu erhalten habe, ohne ausschreibung usw. is ja absolut weltfremd. Da wirkt diese Forderung ja nur noch als Mittel zum Zweck besagte Person unterzubringen.