03/25/2026, 11:22
[Zweiter Teil]
Stattdessen wird genau untersucht, wer sich für Stephanie Gräve einsetzt: Nur jeder Vierte der 20 auf der Website aufgelisteten Personen hätte die Petition unterschrieben.[4]
Diese Aussage ist nicht nachprüfbar. Viele Menschen unterschreiben die Petition anonymisiert, ihre Namen sind nicht öffentlich einsehbar. Es ist überhaupt nicht möglich zu wissen, wer genau die Petition unterzeichnet hat und wer nicht. Gründe für die Anonymisierung gibt es genug, der Wichtigste: Kolleg:innen haben Angst um ihre Jobs. Wenn sich ein Aufsichtsratsmitglied die Mühe macht, eine Liste von Unterzeichnenden zu erstellen und mit der Mitarbeiter:innenliste auf der Homepage abzugleichen, wirkt das auf Beschäftige mitunter beängstigend. Die Schlussfolgerung, dass sich daraus eine “Aussage über die interne Situation” ziehen ließe, ist wiederum reine Spekulation und verkennt die unsichere Arbeitssituation, in der sich das Personal durch einen bevorstehenden Intendanzwechsel befindet. Desweiteren ist es für uns nicht nachvollziehbar, warum Herr Salzmann das Ensemble aus seiner Formel ausklammert, sind gerade sie doch am meisten von der Entscheidung des Aufsichtsrats betroffen.
Weiter bringt Herr Salzmann als Begründung für Stephanie Gräves Nicht-Verlängerung Defizite in internen Bereichen an, über die er nicht sprechen dürfe.
In Anbetracht dessen, dass große Teile des künstlerischen Personals und des Ensembles dies offenbar nicht so sehen und ein anderes Bild ihrer Intendantin zeichnen,[5] und in Anbetracht dessen, dass das Theater erfolgreich läuft, was nicht auf nennenswerte Defizite in den internen Prozessen schließen lässt, wäre es wirklich wünschenswert, mit den Mitarbeitenden in den Dialog zu treten. Gerade, wenn es darum geht, nicht nur eine einzelne Person nicht zu verlängern, sondern auch die Jobs vieler Betroffener zu gefährden und die Kulturlandschaft in ganz Vorarlberg nachhaltig zu verändern.
Für uns stellt es sich so dar, dass viele Beschäftigte des Theaters, freischaffende Künstler:innen, die oft als Gäste mit dem Theater zusammenarbeiten, und das Publikum sich für Stephanie Gräve einsetzen, ihr Rückhalt geben und ihre Bedeutung für die Kunst- und Kulturszene in Vorarlberg herausstellen. Sie tun dies im Rahmen ihrer demokratischen Grundrechte, indem sie demokratische Werkzeuge zur Meinungsäußerung nutzen (Statements in den sozialen Medien, Leser:innenbriefe, Mails und indem sie eine Petition unterschreiben).
Wir würden uns freuen, wenn diese Stimmen Gehör finden.
[1] als Pressemeldung nachzulesen hier: https://vorarlberg.orf.at/stories/3347014/