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Am 6. Mai 2026 wurde Stephanie Gräve mit dem Sonderpreis der Jury des Kunst- und Kulturpreises der Vorarlberger Nachrichten und Wiener Städtische ausgezeichnet. Mit dem Preis werden hervorragende Leistungen im Bereich von Kunst und Kultur gewürdigt. Ausgezeichnet werden künstlerisch tätige Personen, die in Vorarlberg geboren wurden oder solche, die seit Längerem in Vorarlberg leben und arbeiten.
Hier teilen wir die Dankesrede, die sie zur Verleihung vorbereitet hatte, ergänzt um eine kurze Einleitung.
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Meine Rede zur Preisverleihung – wie ich sie nach den Dankesworten hätte halten wollen, wäre
mir Christa Dietrich nicht kongenial mit dem Zitat zuvorgekommen:Wir müssen darauf beharren, dass eine Lüge eine Gewalttat ist. Sie bricht den Kontrakt, den wir
als Gesellschaft untereinander geschlossen haben.
Jonas LüscherDer Satz von Jonas Lüscher, der seit Spielzeitbeginn an der Theaterfassade hängt, trifft den
Problemnerv unserer Gegenwart: Die Frage der Wahrheit und Glaubwürdigkeit. Diese Frage
begegnet uns überall, bei skrupellosen Macho-Politikern, in wissenschaftlichen Diskussionen, in
der KI-Debatte – und im Alltag als Intendantin in Vorarlberg.
Theater ist eine Kunstform, die in einer Gemeinschaft und für eine Gemeinschaft entsteht. Darin
liegt das Geheimnis ihres Erfolges. Auch uns ist es gelungen, mit dem Vorarlberger Publikum eine
echte Gemeinschaft aufzubauen, und es ist uns als Team gelungen, nicht mir als Einzelperson.
Gerade deshalb ist das Verletzendste an all den Äußerungen rund um die Nichtverlängerung
meines Vertrages, dass behauptet wurde, meine Intendanz müsse aus Verantwortung für die
Belegschaft beendet werden. Das ist ein schwerer Vorwurf und eine schwere Verletzung – und
schadet möglicherweise dem Theater.
Ich habe einmal einen Vortrag über die ARD gehört, ein Gedanke hat sich mir eingebrannt: Es ging
um den Begriff der Glaubwürdigkeit der Institution. Es ging darum, dass nämlich die
Glaubwürdigkeit einer Institution nicht an den einzelnen Beiträgen/Produktionen hängt, sondern
dass die Glaubwürdigkeit die Institution an sich tragen muss.
Da stellt sich die Frage: Würde ich in ein Theater gehen wollen, das auf der Bühne große
moralische Thesen verkündet, wenn ich wüsste: Hinter den Kulissen muss man das Personal vor
der Leiterin schützen?! Das würde ich nicht.
Lüschers Satz hat sich als erschreckend treffendes Motto dieser Spielzeit erwiesen, nicht nur in
der großen Weltpolitik, sondern auch im Kleinen.
Und ich kann Ihnen versichern: Die WAHRHEIT ist, dass wir eine glaubwürdige Institution sind.
Dass wir ein gutes Team sind, und im Theater quer durch alle Abteilungen und Bereiche toll
zusammen arbeiten. Sie können ruhigen Gewissens kommen – wir planen viele interessante
Projekte im Sanierungsjahr. Ich danke noch einmal von Herzen für den Sonderpreis der Jury. -
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Seit 30 Jahren Abo, noch nie war das Theater so gut wie unter ihrer Führung