30/06/2026, 00:10
Wir veröffentlichen heute mit Zustimmung des ASKÖ einen Auszug aus dem Schreiben des ASKÖ an Heli Austria/Martin Flugrettung.
Dieses Schreiben ist aus unserer Sicht ein Schlüssel zum Verständnis der ganzen Causa „Wies“.
Denn es zeigt: Das bestehende Flugfeld Scharnstein war und ist nicht das Problem. Der ASKÖ hält ausdrücklich fest, dass die Verantwortlichen am Standort Scharnstein grundsätzlich die Voraussetzungen geschaffen haben, damit die Flugrettung auf dem bestehenden Areal einen Stützpunkt errichten kann. Eine entsprechende Entwicklung auf eigene Rechnung und Verantwortung der Martin Flugrettung GmbH wäre aus Sicht des ASKÖ jederzeit möglich gewesen – und ist auch weiterhin möglich.
Was der ASKÖ aber ebenso klar sagt: Als gemeinnützige Organisation kann und darf der Verein nicht die Kosten für einen Um- oder Ausbau in der von Heli Austria geforderten Größenordnung tragen. Der ASKÖ unterliegt Gemeinnützigkeit und Förderbestimmungen. Er ist kein privater Infrastrukturfinanzierer für ein kommerzielles Hubschrauberunternehmen.
"Keiner der uns bekannten Rettungshubschrauberstützpunkte in Österreich auf einem bestehenden Zivilflugplatz wurde vom Halter des Flugplatzes errichtet und / oder finanziert - das ist Aufgabe des Betreibers. Wir haben 2017 bei der Errichtung des Stützpunktes alles das zur Verfügung gestellt, was wir konnten - das ist mehr als an anderen Standorten üblich ist"
Damit liegt für uns der eigentliche Kern offen auf dem Tisch.
Es geht nicht darum, ob Flugrettung am bestehenden Flugfeld möglich ist, weil sie das ímmer war und weiterhin auch ist. Es geht darum, dass kommerzielle Hubschrauberdienste wie Vergnügungsflüge, Transportflüge mit schwerem Gerät, Flugschule etc. am Flugfeld von Scharnstein nicht möglich sind.
Genau hier passen auch die bisherigen Aussagen ins Bild: Roy Knaus spricht von Verdrängungswettbewerb. Florian Huemer spricht von fast zehn Jahren intensiver Aufbauarbeit und erheblichen finanziellen Investitionen und von Stimmen, die eine Einbindung von Mitbewerbern ins Spiel bringen. Aus seiner Sicht ist dies – gerade nach einer derart langen und wirtschaftlich herausfordernden Aufbauphase - nicht fair und schwer nachvollziehbar. Und selbst die Umweltbehörde hat uns Projektunterlagen mit dem Hinweis auf wirtschaftlich sensible Informationen, Wettbewerbsnachteile und berechtigte wirtschaftliche Interessen vorenthalten.
Aber Rettung hat nichts mit Wirtschaft am Hut und schon gar nichts mit Wettbewerb.
Ein hilfloser Mensch, ob verletzt oder krank ist kein Kunde. Ein Notarzt hat keine Mitbewerber. Und ein Rettungshubschrauber darf nicht als Türöffner für ein privatwirtschaftliches Heliport-Projekt in der Wies verwendet werden.
Unsere Forderung war von Anfang an klar: Wenn Scharnstein für die öffentliche Flugrettung wirklich notwendig ist, dann soll der Standort verbindlich in das oberösterreichische Flugrettungssystem eingebunden werden – mit öffentlicher Absicherung, klarer Zweckbindung und einem gemeinnützigen Flugretter. Einem gemeinnützigen Flugretter, der auf jeden Fall am Flugfeld von Scharnstein in Kooperation mit dem ASKÖ operieren darf und kann. Ohne wenn und aber.
Was wir nicht akzeptieren: Dass die Bevölkerung vor die falsche Wahl gestellt wird – „Wies oder Rettungshubschrauber“ –, während gleichzeitig wirtschaftliche Interessen, Investitionen, Mitbewerber und mögliche Wettbewerbsnachteile eine zentrale Rolle spielen.
Das ASKÖ-Schreiben zeigt: Am bestehenden Flugfeld wäre Flugrettung weiterhin möglich. Was dort offenbar nicht möglich ist, ist die Durchsetzung einer privaten, wirtschaftlich nutzbaren Heliport-Infrastruktur auf Kosten eines gemeinnützigen Vereins.
Genau deshalb will Heli Austria aus unserer Sicht weg vom Flugfeld und in die Wies.
Nicht weil Rettung dort unmöglich wäre.
Sondern weil die Wies wirtschaftlich mehr Möglichkeiten eröffnet.
Und genau deshalb sagen wir:
Flugrettung ja.
Gemeinnützige, öffentlich abgesicherte Flugrettung ja.
Aber kein privater Heliport in der Wies unter dem Deckmantel der Rettung.
Rettung ist kein Geschäft.
Und die Wies darf nicht für wirtschaftliche Hubschrauberinteressen geopfert werden.