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Bild zur Petition mit dem Thema: Musik ist nicht wertlos – Quo Vadis, Musikstadt Wien? Musik ist nicht wertlos – Quo Vadis, Musikstadt Wien?
  • Von: Alex K. Yoshii mehr
  • An: MagA. Ulli Sima, Wiener Stadträtin für Umwelt ...
  • Region: Wien mehr
    Kategorie: Kultur mehr
  • Status: Petition in Zeichnung
    Sprache: Deutsch
  • 9 Tage verbleibend
  • 2.919 Unterstützende
    1.999 in Wien
    28% erreicht von
    7.100  für Quorum  (?)

Musik ist nicht wertlos – Quo Vadis, Musikstadt Wien?

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Straßenmusiker sollen in Stationen der Wiener U-Bahn ab Juli im Auftrag der Wiener Linien auftreten, um die gefühlte Sicherheit der Fahrgäste zu erhöhen. So wird es ganz offiziell kommuniziert, es geht nicht um eine Form von Kulturförderung, sondern um eine Maßnahme zur Hebung von Wohlbe- und Sicherheitsempfinden der Kundinnen und Kunden der Wiener Linien. Soweit eine gute Sache, in vielen anderen europäischen Städten ist Livemusik in U-Bahnhöfen ganz selbstverständlich, während dies in Wien bislang eine rechtliche Grauzone war.

Die genauen Konditionen sind hingegen gar keine gute Sache: in einem Casting sollen "die besten" ("..denn bei uns dürfen nur die Besten spielen...") Kandidatinnen und Kandidaten ermittelt werden, die dann für die Wiener Linien in definierten Zeitfenstern auftreten dürfen. Sie erhalten dafür ein Honorar von EUR 0,- (null). Als ob es nicht unverschämt genug wäre, wenn ein Unternehmen eine Dienstleistung zum Nulltarif einfordert, sollen die glücklichen "Gewinner" den Wiener Linien aber auch noch die Rechte an Name, Gesicht und Musik zur weiteren Verwendung überlassen, ebenfalls kostenlos. Die Wiener Linien erhalten also zusätzlich zur kostenlosen eigentlichen Dienstleistung auch den Werbewert - ohne jede Gegenleistung. Es wirkt wie eine Verhöhnung, dass erfolgreiche Bewerberinnen und Bewerber zudem eine "Bearbeitungsgebühr" von symbolischen EUR 10,- zu entrichten haben. Weiters ist den Teilnahmebedingungen zu entnehmen, dass weder für die Unversehrtheit der Musikerinnen und Musiker, noch für deren Instrumente und Equipment Haftung übernommen wird. Mit dem Akzeptieren der AGB wird bestätigt, dass "keine Verwertungsrechte Dritter verletzt werden" – Stichwort AKM. Zu guter Letzt stellen die Wiener Linien nichteinmal Strom zur Verfügung. (Alles hier nachzulesen: www.wienerlinien.at/media/files/2017/agbcastingformular_212121.pdf ) Den teilnehmenden Musikerinnen und Musikern ist es laut Teilnahmebedingungen gestattet, während ihrer Auftritte freiwillige Spenden zu sammeln, die sie dann auch tatsächlich behalten dürfen. Man darf also einen Hut auf den Boden stellen und hoffen, dass Passanten auf dem Weg zur U-Bahn ihr Kleingeld loswerden wollen...

Diese Bedingungen sind einerseits schlichtweg inakzeptabel, andererseits aber auch eine dreiste Verhöhnung der Musikerinnen und Musiker dieser Stadt. Ich fordere Frau Sima auf, sich klar von diesem ausbeuterischen Konzept zu distanzieren und umgehend für faire Arbeitsbedingungen zu sorgen. Ebenso fordere ich den Wiener Kulturstadtrat Mailath-Pokorny zu einer Stellungnahme auf – diese Angelegenheit berührt unzweifelhaft sein Ressort.

Begründung:

Freiberufler tragen generell ein hohes wirtschaftliches Risiko. Ihre berufliche Ausbildung ist lang, aufwendig und mitunter mit hohen Kosten verbunden. Sie finanzieren ihr Arbeitsgerät selbst und müssen auch für dessen Erhalt und Ausbau selber aufkommen. Gegen Verdienstentgang durch Krankheit o.ä. können sie sich kaum absichern.

Für professionelle Musikerinnen und Musiker gilt alles genannte in gesteigertem Ausmaß. Es ist besondere Begabung nötig, um eine solche Laufbahn überhaupt einschlagen zu können. Dennoch dauert die Ausbildung eher Jahrzehnte als Jahre und ist entsprechend kostspielig. Die Investitionen in Instrumente und Equipment bewegen sich im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Extremes Lohndumping und Zahlungsausfälle liegen an der Tagesordnung. Menschen wollen zwar permanent durch Musik unterhalten und durchs Leben begleitet werden, sind aber immer weniger dazu bereit, dies auch zu honorieren. Musikschaffende werden mit den absurdesten Begründungsversuchen konfrontiert, warum sie für ihre Arbeit nicht normal bezahlt werden sollten – müssen ihre eigenen Rechnungen aber trotzdem fristgerecht begleichen, wie jedermann und jederfrau.

In anderen freien Berufen wäre soetwas undenkbar, wer würde je auf die Idee kommen, Ärzte, Anwälte, Steuerberater, Architekten gegen "freiwillige Spende" und "vielleicht ergibt sich daraus ja in Zukunft bezahlte Arbeit" beschäftigen zu wollen? Ein lächerlicher Gedanke, nicht wahr? Musikschaffende müssen für ihre Arbeit bezahlt werden, wie alle anderen Berufsgruppen auch.

Mit dieser Petition möchte ich ein Zeichen setzen: für Gerechtigkeit, für Respekt, für die Anerkennung eines realen Problems. Ich hoffe, damit nicht nur Musikerinnen und Musiker zu erreichen, sondern Menschen, die Musik lieben und den Zusammenhang zwischen Musikschaffenden und Musik verstehen.

Im Namen aller Unterzeichner/innen.

Wien, 06.05.2017 (aktiv bis 05.07.2017)


Neuigkeiten

Die Petition wurde inzwischen 2800 Mal unterschrieben, vielen Dank dafür! Nach dem gemeinsamen Gespräch haben die Wiener Linien wie angekündigt ihre Teilnahmebedingungen für die "U-Bahn-Stars" überarbeitet, was ich als sehr positiven ersten Schritt empfunden ...

>>> Zu den Neuigkeiten


Debatte zur Petition

PRO: Es ist ja zu begrüßen dass zusätzliche Plätze für Straßenmusiker zu Verfügung gestellt werden, aber wenn das als Wettbewerb aufgezogen wird, sollte es zumindest ein Preisgeld für die ausgewählten Formationen geben. Ohne irgendeinen besonderen Anreiz würde ...

PRO: Die Wiener Linien sollen sich klar deklarieren: Entweder sie stellen Flächen zur Verfügung und lassen StraßenmusikerInnen unbehelligt ihr Ding machen. Dagegen wäre nichts einzuwenden. Oder sie treten als Veranstalter auf. Diese Unterscheidung ist grundlegend. ...

CONTRA: Man könnte natürlich als Gegenargument bringen, dass Busking eine eigene Kulturform ist, die traditionell Einnahmen über Spenden erzielt und Platzmiete o.ä. als Ausgaben hat. Dann wäre an dieser Kampagne vor allem die Werbeform denkbar schlecht gewählt ...

CONTRA: Das Ziel kann mit Straßenmusikern auch erreicht werden. Der Auftrag der Wiener Linien ist die Beförderung von Menschen und nicht die Förderung von Musikern. Es kann nicht Sinn der Sache sein, dass die Wiener Linien jetzt auch noch beginnen Musiker anzustellen ...

>>> Zur Debatte


Warum Menschen unterschreiben

Mit Fixum, Anstellung o.a klasse Idee - Aba ohne Göd ka Musi (zumindest in diesem Zusammenhang)

Da mir Musik wichtig ist. Aufgrund der Tatsache, dass es in ihr nur wenig Messbares gibt gerät sie leider aus dem rational orientierten Bewusstsein unserer Gesellschaft. :'(

Hab auf Facebook davon gelesen.Wir sollten nicht immer provinzieller werden.

Weil Musik und jugne Menschen wichtig sind. Weil es unverschämt ist, die Begeisterung junger Menschen auszunützen.

Ich unterstütze gerne Musik

>>> Zu den Kommentaren


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Petitionsverlauf

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