Die Organisationen der Wiener Behindertenhilfe haben durch geringere Budgets in den letzten zwölf Jahren strukturell zehn Prozent ihrer Kosten eingespart und stehen nun mit dem Rücken zur Wand. Diese Einsparungen gingen – angesichts eines Personalkostenanteils von ca. 75 % – mit zum Teil deutlichen Kürzungen der Betreuungsschlüssel einher. Kürzungen bei Mitarbeitenden und ihren Betreuungsstunden bei zumindest gleichbleibenden Qualitätsansprüchen in der Betreuung von Menschen mit Behinderungen in Wien sind die Folge. Weitere Abstriche in den Budgets der Organisationen der Wiener Behindertenhilfe bedeuten einen massiven Qualitätsabbau und würden nun auch in den Bereich der Grundversorgung greifen.

Mit der Kampagne #LebenNichtBehindern und der dazu ins Leben gerufenen Petition soll für eine öffentliche Sichtbarkeit und Diskussion dieser Problematik gesorgt werden. Mit Ihrer Unterschrift soll bei den Budgetverantwortlichen der Stadt Wien zusätzlich ein Zeichen für den Erhalt und die Förderung von Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen gesetzt werden.

Reason

Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen drückt sich vor allem darin aus, dass sie im Bedarfsfall die an ihre Bedürfnisse angepasste Unterstützung und Begleitung erhalten. Ob bei der alltäglichen Kommunikation, der Einnahme von Mahlzeiten, bei der Körperpflege, beim Gang auf die Toilette oder bei der Fortbewegung von A nach B: der Bedarf an Unterstützung und Betreuung variiert und ist höchst individuell.

Das Recht auf individuelle Gestaltung des Alltags und Selbstbestimmung bei Themen wie wann gehe ich einkaufen, wann esse ich, wann muss ich ins Bett, wer begleitet mich zu Freizeitaktivitäten, wie komme ich zur Arbeit, wo treffe ich mich mit Freund_innen usw. ist Menschen ohne Unterstützungsbedarf selbstverständlich gegeben. Für Menschen mit Behinderungen wird dieses Recht erst mit der Bereitstellung der dafür notwendigen Unterstützung verwirklichbar.

Dabei geht es nicht nur um konkrete Unterstützungsleistungen – vor allem bei Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf –, sondern auch darum, die benötigte Zeit und Ressourcen zu haben, um individuelle Bedürfnisse und Interessen der Menschen mit Behinderungen zu erkunden und zu erkennen. Zeit, um Vertrauen und tragfähige Beziehungen zwischen den Menschen aufbauen zu können, die diese Unterstützung leisten und denen, die sie empfangen. Es geht um Arbeitsbedingungen, die es ermöglichen, nicht nur die Grundversorgung von Menschen mit Behinderungen sicherzustellen, sondern sich auch persönlich und aktiv der Beziehungsgestaltung widmen zu können.

Müssen z. B. in einer Wohngemeinschaft, in der zehn Menschen mit Behinderungen leben, zehn Mitarbeiter_innenstunden eingespart werden, kann dies nur bei Diensten passieren, die doppelt oder mehrfach besetzt sind. Doppel- und Mehrfachbesetzungen sind aber die Voraussetzung dafür, dass im Einzelsetting individuelle Angebote eruiert und umgesetzt werden können. Eingespart kann bei weiteren bevorstehenden Kürzungen also nur dort werden, wo individuelle Qualität für die betroffenen Menschen mit Behinderungen spürbar wird.

Es ist nun höchste Zeit, dem entgegenzuwirken und die Forderung aufzustellen: #LebenNichtBehindern!

Thank you for your support, IVS Wien from Wien
Question to the initiator

News

pro

Mehr Arbeitsplätze, die nicht in Konkurrenz mit Maschinen stehen.

contra

Entzug von Mitteln die woanders in der Wirtschaft gebraucht werden können. Wenn die Wirtschaft schwächelt haben wir insgesamt weniger Mittel zur Verfügung haben. Wenn die Wirtschaft wächst, haben wir insgesamt mehr Mittel zur Verfügung.