15/04/2026, 06:37
An dieser Stelle lassen wir Menschen zu Wort kommen, die Intendantin Stephanie Gräve unterstützen.
Heute: Hubert Österle, Professor emeritus am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen
„Am 5.3.2026 hat der Aufsichtsrat der KUGES einstimmig beschlossen, den Vertrag
der Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, Stephanie Gräve, nicht zu
verlängern.
Der Aufsichtsrat lobte ausdrücklich das Schaffen von Gräve: Das Programm, die
Besucherzahlen und der wirtschaftliche Erfolg seien hervorragend.
Trotzdem beschloss der Aufsichtsrat, den Vertrag von Gräve nicht zu verlängern. Die
zuständige Landesrätin begründet dies am 13.3.2026: „Für eine weitere
Verlängerung ohne Ausschreibung über eine zehnjährige Zusammenarbeit hinaus
wäre eine in jeder Hinsicht außergewöhnlich positive Gesamtbeurteilung erforderlich
gewesen“. Diese habe „in der Gesamtschau nicht vorgelegen“.
Am 23.3.2026 meldete sich das Aufsichtsratsmitglied Franz Salzmann über einen
offenen Brief zu Wort. Es gebe im Nahbereich der Intendantin (ohne Ensemble)
Defizite, über die man nicht hinwegsehen, aber auch nicht öffentlich reden könne.
Dies sei in die Entscheidung eingeflossen. Offensichtlich gab es neben vielen
positiven auch ein paar negative Stimmen. Die negativen sind im Betriebsrat und
damit im Aufsichtsrat vertreten.
Gräve hat wiederholt auf eine unzureichende Finanzierung des Theaters
hingewiesen. Dagegen betont Salzmann, dass „Gräve über Jahre hinweg viele, viele
100.000,- Euro an Budgetmitteln nicht verbraucht hat.“
Es stellen sich ein paar Fragen:
Gibt es Theaterbetriebe, in denen zwischen den administrativen und technischen
Mitarbeitern und der künstlerischen Leitung keine Spannungen bestehen?
Spricht der Nichtverbrauch von Budgetmitteln gegen oder sogar für Gräve?
Ist es korrekt, dass das Landestheater (deutlich) geringer finanziert ist als
vergleichbare Theaterhäuser?
Die Petition für Gräve auf der Plattform Openpetition.at hat mehr als 1000
Unterschriften, meist von Personen im Umfeld des Theaters. Spricht Salzmann
diesen Personen zurecht das Verständnis für den Theaterbetrieb ab?
Gräve ist eine begnadete Intendantin mit hohem emotionalem Engagement und (zu)
wenig opportunistischem Auftreten. Braucht die Kunst langweilige Anpassung oder
Mut zur Provokation?
Kann es sein, dass hinter der Nichtverlängerung persönliche Motive verborgen sind?
Verspricht sich jemand eine Verbesserung der eigenen Stellung? Fühlt sich in der
Verwaltung jemand nicht ausreichend gewürdigt? Oder hat jemand Schwierigkeiten,
sich von einer linksliberalen, teutonischen Frau etwas sagen zu lassen?
Was immer auch die widersprüchlich vorgebrachten Begründungen vermuten lassen,
es ist Zeit für einen konstruktiven Kompromiss. Sehr geehrte Landesrätin, geschätzte
Aufsichtsräte, nutzt die gegenseitig vorgebrachten Argumente, um über die
Ausrichtung und die Organisation des Theaters nachzudenken. Bedenkt, dass ein
Theater jener freie Raum bleiben muss, wo Denkanstöße geboten werden, die zu
Auseinandersetzung, Austausch und zu Verstehen führen. Die neue Machtpolitik,
Kriege und technologische Umbrüche brauchen das Hinterfragen bestehender
Strukturen und Innovation, nicht Konservieren und Gleichschaltung. Gebt Stephanie
Gräve keine 5-Jahres-Verlängerung, sondern eine Verlängerung um weitere zwei
Jahre, damit sie den Wiederaufbau des Publikums und des Repertoires nach der
sanierungsbedingten Schließung gestalten kann.“