26/08/2026, 11:32
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer unserer Petition,
vielen Dank nochmals, dass Sie unsere Petition zur Pflegeeinstufung in Südtirol unterstützt haben.
Seit Abschluss der Unterschriftensammlung haben wir weiter recherchiert. Dabei haben sich einige wichtige Punkte ergeben, über die ich Sie gerne informieren möchte.
Im Mittelpunkt steht das Einstufungsinstrument V.I.T.A., mit dem in Südtirol der Pflegebedarf erhoben wird.
Was wir bisher herausfinden konnten:
- V.I.T.A. wurde über mehrere Jahre entwickelt und bereits Anfang der 2000er-Jahre getestet.
- 2005 wurde V.I.T.A. 1.0 bei 831 Personen mit mindestens 50 % Invalidität im Südtiroler Unterland erprobt. Danach wurde das Instrument für den landesweiten Einsatz vorbereitet.
- Eine spätere wissenschaftliche Untersuchung der UMIT überprüfte vor allem, ob unterschiedliche Einstufungsteams bei derselben Person zu ähnlichen Ergebnissen kommen.
- Diese Untersuchung war keine umfassende wissenschaftliche Validierung des Instruments.
- Eine der damaligen Autorinnen, Prof. Daniela Deufert, bestätigte mir inzwischen ausdrücklich, dass ihr keine wissenschaftlichen Untersuchungen zur Inhalts-, Konstrukt- oder Kriteriumsvalidität von V.I.T.A. bekannt sind.
- Kinder, Menschen mit Demenz und Menschen mit überwiegend psychosozialem Unterstützungsbedarf wurden in dieser Untersuchung nicht gesondert geprüft.
- Bereits während der Entwicklung von V.I.T.A. hatten Vertreter der Pflegeberufe mehrfach vorgeschlagen, ein bereits international validiertes Instrument wie interRAI zu verwenden. Trotzdem wurde V.I.T.A. weiterentwickelt.
- Auch später wurde bei Kindern ein alternatives, von der Universität Bielefeld entwickeltes Begutachtungsinstrument getestet.
Damit bleibt für mich eine zentrale Frage offen:
Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage wird das heutige V.I.T.A.-Instrument für die gesamte pflegebedürftige Bevölkerung Südtirols eingesetzt?
Wichtig ist mir dabei: Es geht nicht darum, vorschnell zu behaupten, V.I.T.A. sei „falsch“. Aber ein Instrument, das darüber mitentscheidet, ob und in welcher Höhe Menschen Pflegegeld erhalten, sollte nachvollziehbar, transparent und wissenschaftlich gut überprüft sein.
Genau deshalb recherchiere ich weiter.
Noch fehlen uns wichtige Originalunterlagen, darunter der vollständige Bericht zur V.I.T.A.-Testphase aus dem Jahr 2005 sowie weitere Unterlagen zur damaligen Entscheidung für dieses Instrument.
Ich werde Sie weiterhin über neue Erkenntnisse informieren.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung und dafür, dass Sie dieses Thema mittragen.
Herzliche Grüße, Ulrike Hilber