An den Gemeinderat Vorchdorf: Mit diesen Zeilen ersuchen wir Sie dringend, alles in Ihren Möglichkeiten Stehende zu tun, nie wieder einem schulisch gut integriertem Kind mit Behinderung den Hortplatz zu verweigern.

Wir, das sind vor allem Eltern von Kindern aus der jahrgangsgemischten Integrationsklasse JAMI der Volksschule Vorchdorf, sowie auch Bürgerinnen und Bürger, denen Integration und Inklusion ein Anliegen ist.

Begründung

Wir halten Ihren Beschluss, Efehan keinen Hortplatz zur Verfügung zu stellen und damit zu einem Schulwechsel nach Gmunden zu zwingen, für einen Fehler!

Wir sehen in Ihrer Vorgangsweise einen eklatanten Widerspruch zur Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen sowie zur Entscheidungsfreiheit der Eltern behinderter Kinder, was die Wahl der Schule für ihre Kinder betrifft.

Soweit wir uns informieren konnten, stößt das Vorgehen bei sehr vielen Institutionen (Verein Miteinander, IVMB, Down-Syndrom Österreich, Caritas, ...) auf Unverständnis. Vorchdorf reiht sich in eine unrühmliche, aber recht kurze Liste von Gemeinden Oberösterreichs ein, die einem behinderten Kind einen Hortplatz verweigern.

Formalrechtlich mag Ihr Handeln korrekt gewesen sein, faktisch reißen Sie aber ein bestens integriertes und von seinen Mitschülerinnen und -schülern geschätztes Kind aus seiner vertrauten Umgebung, in der es sich außerdem viel besser entwickelt hat als zu erwarten gewesen wäre. Besonders stören wir uns daran, dass im Fall Efehan alles ohne offene Kommunikation mit den Beteiligten aus der Distanz und rein am Schreibtisch entschieden worden ist – das ist Bürokratie pur.

Die Beteiligten sind neben Efehan und seiner Mutter die JAMI-Klassengemeinschaft ebenso wie die Eltern jener fünf (oder doch nur drei?) Kinder, zu deren Gunsten Sie Efehan den Hortplatz unseres Wissens nach verweigert haben. Denn soweit wir wissen, lautet Ihre Begründung ja, dass Sie sonst fünf anderen Kinder vom Hort abweisen hätte müssen. Wäre es nicht möglich gewesen, offen mit diesen Eltern zu reden und die Frage zu stellen, ob statt einem Hortplatz nicht auch eine Nachmittagsbetreuung ausreichend (gewesen) wäre?

Nicht gelten lassen wollen wir auch das Argument, Efehan würde in Gmunden bestmöglich betreut. Bestmöglich betreut war er bis zu Ihrer Entscheidung auch in Vorchdorf – das übrigens ausgewiesener Integrationsstandort ist. Ein angebliches Schreiben der Schulbehörde ist ebenfalls ohne Konsultation der betreuenden Pädagoginnen und der Mutter aus sicherer Distanz verfasst worden. Wir finden: So kann und soll man nicht mit Menschen umgehen.

Sollte es Ihnen darum gegangen sein, sich das ohnehin bescheidene Gehalt für eine Stützkraft im Hort zu sparen, finden wir das traurig. Investitionen in die Zukunft sollten sich unserer Meinung nach nicht nur in verbauten Kubik- und Quadratmeter Beton und Pflastersteinen ausdrücken, sondern auch in einem Gemeinwesen, in dessen Bildungseinrichtungen Platz für alle ist. Das Zusammenlernen und -leben mit Kindern, die andere Bedürfnisse haben, ist für alle Kinder ein hervorragendes Training in Toleranz und Mitmenschlichkeit mit lebenslanger Wirkung. Dafür sollte eine finanziell so potente Gemeinde wie Vorchdorf ein paar hundert Euro im Monat überhaben.

Für das kommende Schuljahr sind die Würfel leider schon gefallen, denn Efehans Mutter will sich jetzt nicht noch einmal neu orientieren und hat sich mit der Aussicht abgefunden, dass ihr Sohn ab Herbst jeden Tag über 20 Kilometer Schulweg hat (der Transport ist offenbar kein Kostenargument). Wie eingangs artikuliert, wünschen wir uns aber dringend, dass Kindern mit Behinderung in Zukunft eine geeignete Nachmittagsbetreuung im Ort zur Verfügung gestellt wird und endlich ein ehrlich gemeinter Dialog stattfindet.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Eltern der Volksschule Vorchdorf aus Vorchdorf
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